GARTENORDNUNG

für die von der Stadt Hildesheim verpachteten Kleingärten in der Fassung
vom 01. Februar 2014

nachzulesen auf der Homepage der Stadt Hildesheim



Vorbemerkungen

Kleingärten sind Bestandteile des öffentlichen Grüns, sie werden mit finanziellen Mitteln der
Stadt Hildesheim angelegt und gefördert. Sie dienen der Eigenversorgung der Kleingärtner,
ihrer Gesunderhaltung und Erholung sowie der sinnvollen Freizeitgestaltung.

Die Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege sollen bei
der Nutzung und Bewirtschaftung des Kleingartens berücksichtigt werden. Deshalb ist die
Ausrichtung auf eine biologische Bewirtschaftung des Kleingartens und eine Gestaltung mit
natürlichen Materialien anzustreben.

Eine Verwirklichung dieser geförderten Bestrebungen des Kleingartenwesens kann nur erfolgen,
wenn die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner innerhalb und außerhalb ihrer Anlage
harmonisch zusammenarbeiten, aufeinander Rücksicht nehmen und ihre Gärten
ordnungsgemäß bewirtschaften und gestalten. Die Gartenordnung soll hierzu den Weg
weisen. Sie ist Bestandteil des Pachtvertrages und somit für alle Kleingärtner und
Kleingärtnerinnen -nachfolgend Garten-freunde genannt -verbindlich. Verstöße gegen die
Gartenordnung berechtigen den Verpächter zur Kündigung des Pachtverhältnisses nach
Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen.

1. Kleingärtnerische Nutzung

1.1 Der Kleingarten ist ausschließlich kleingärtnerisch zu nutzen. Er ist so einzurichten, zu
pflegen und zu nutzen, dass der Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf und die
Erholungsfunktion in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen; dabei sollen
nachteilige Auswirkungen auf angrenzende Gärten vermieden werden. Einseitige Kulturen
sind nicht erlaubt. Grundsätzlich zulässig sind Obst-und Gemüsekulturen, Ziergehölze,
Blumenpflanzungen und Rasen.

1.2 Der Kleingarten darf nur vom Pächter und zu seinem Haushalt gehörenden Personen
bewirtschaftet werden.

1.3 Der Kleingarten darf nicht brachliegen oder verwildern.

2. Anpflanzungen

2.1 Bei der Anpflanzung von Gehölzen sind nachteilige Auswirkungen auf die
Nachbargärten zu vermeiden.

2.2 Für das Anpflanzen von Gehölzen in den Kleingärten gelten die im § 50 des
Niedersächsischen Nachbarrechtsgesetzes genannten Grenzabstände.

Sie betragen:
bei Höhen bis zu 1,20 m 0,25 m
bis zu 2,00 m 0,50 m
bis zu 3,00 m 0,75 m
Bis zu 5,00 m 1,25 m
Bis zu 15,00 m 3,00 m
über 15,00 m 8,00 m


2.3 Auf volle 150 m² darf höchstens 1 Obstbaum als -Halb-oder Hochstamm -gepflanzt
werden, Spindel-und Spalierobstbäume müssen mit einem Mindestabstand von 2,50 m
untereinander gepflanzt werden.

2.4 Wurzeln, Äste und Zweige, die störend oder schädigend in Nachbargärten oder Gartenwege
hineinragen, sind auf Verlangen des Nachbarn oder des Bezirksverbandes Hildesheimer
Gartenfreunde e. V. (BHG) zu beseitigen.

2.5 Rückschnitt-und Absetzarbeiten in den äußeren Anpflanzungen der Kleingartenanlagen
werden nur vom Fachbereich Grün, Straße und Vermessung oder deren Beauftragten
durchgeführt. Abweichungen davon können zwischen der Stadt Hildesheim und dem
Bezirksverband Hildesheimer Gartenfreunde (BHG) für ganze Anlagen oder Teile davon
vereinbart werden.

2.6 Laub-und Nadelbäume der freien Natur, Walnussbäume, Zierbäume und Nadelgehölze
(Koniferen) dürfen nicht angepflanzt werden. Näheres regelt die Anlage 01 über die unzulässigen
Baumarten auf Kleingärten in der jeweils gültigen Fassung.

2.7 Inneneinfriedungen als Sichtschutz dürfen eine maximale Höhe von 1,30 m und Länge
von 4 m nicht überschreiten, wobei die Einfriedung höchstens 1/3 der Gartenbreite einnehmen
darf.

3. Naturnahe Gartenbewirtschaftung

3.1 Alle Gartenpflanzen einschließlich Bäume sind gesund zu erhalten. Zur Bekämpfung von
Pflanzenkrankheiten dürfen nur aufeinander abgestimmte und miteinander verträgliche,
umweltfreundliche Verfahren im Sinne eines ökologischen Pflanzenschutzes angewandt
werden. Dazu zählt auch eine naturgerechte Anbauweise und die Auswahl widerstandsfähiger
und standortgerechter Pflanzen.

3.2 Ein grundsätzlicher Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz wird angestrebt. Der
Einsatz von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden) und bienengefährlichen
Pflanzenschutzmitteln ist verboten.

3.3 Der Gartenboden ist durch Kompost und andere organische Dünger sowie durch Gründüngung,
Mulchen etc. gesund zu erhalten. Diese Maßnahmen haben Vorrang vor der
Verwendung von Mineraldüngern.

3.4 In Kleingartenanlagen, die durch die Stadtverwaltung bzw. den Bezirksverband
verpachtet werden, sollen keine Torf-oder Torfmischprodukte eingesetzt werden.

3.5 Es wird erwartet, dass zum Schutz der Vögel, Igel und anderer Nützlinge geeignete Nistgelegenheiten
sowie Wasserplätze geschaffen werden.

3.6 Der Formschnitt an Hecken darf in der Zeit vom 31.03. bis 15.07. eines Jahres nicht
durchgeführt werden. Dabei ist sicherzustellen, dass wildlebende Tierarten während der
Brutzeit nicht beeinträchtigt werden. Bei Antreffen von Nestern sind die Arbeiten umgehend
einzustellen und bis zur Beendigung des Brutgeschäfts auszusetzen. Alle anderen
Rückschnittarbeiten sind nur in der Zeit vom 01.10 bis 28.02 durchzuführen.

4. Tierhaltung

4.1 Tiere dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung des BHG gehalten werden.

4.2 Erlaubt ist das Halten von Bienen nach vorheriger schriftlich einzuholender Genehmigung
vom BHG. Durch die Bienenhaltung dürfen Nachbarn nicht belästigt werden.

4.3 Mitgebrachte Hunde sind in der Kleingartenanlage an der Leine zu führen und im Garten
unter Aufsicht zu halten; sie dürfen den Nachbarn nicht belästigen. Verunreinigungen durch
Hunde auf den Wegen und in den Anlagen sind von dem jeweiligen Hundehalter
unverzüglich zu beseitigen.

5. Einfriedungen

5.1 Die Einfriedungen sind in einem guten Zustand zu erhalten.

5.2 Einfriedungen innerhalb der Kleingartenanlage dürfen nicht höher als 1,30 m sein, sie
sind in einheitlicher Form und Höhe mit den angrenzenden Inneneinfriedigungen zu halten.
Das Beseitigen von Hecken darf nur mit Genehmigung der Stadt Hildesheim vorgenommen
werden.

5.3 Stacheldraht und spitze Gegenstände dürfen bei Einfriedungen innerhalb und außerhalb
der Kleingartenanlagen nicht verwendet werden.

5.4 Bestehende, mit Stacheldraht versehene Außeneinfriedungen über 2 Meter Höhe
genießen Bestandsschutz bis zur Erneuerung der Einfriedung.

6. Errichtung von Baulichkeiten

6.1 Die Errichtung von Baulichkeiten jeder Art sowie jede nachträgliche Änderung, Erweiterung
oder Erneuerung bedarf in jedem Falle der vorherigen schriftlichen Zustimmung
durch die Stadt Hildesheim. Die Zustimmung wird auf Antrag erteilt. Der BHG kann mit seiner
Zustimmung mit der Vorprüfung des Antrags durch die Stadt Hildesheim beauftragt werden.
Neben dem Antrag sind (2-fach) beizufügen:

a) Zeichnungen der Gartenlaube im Maßstab 1 : 50 -Grundriss, Vorder-und Seitenan-sicht
(bei Typenlauben nicht erforderlich). Erweiterungen und Veränderungen mit Rot-stift
markieren.
b) Lageplan des Kleingartens im Maßstab 1 : 200 -Standort der Laube im Kleingarten.

6.2 Die Gartenlaube ist in einfacher Ausführung mit max. 24,00 m² Grundfläche einschl.
überdachten Freisitzes zulässig. Sie darf nach ihrer Beschaffenheit, Ausstattung und
Einrichtung nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein.

6.3 Die höchstzulässige Höhe beträgt bei Pultdachlauben 2,80 m, bei Satteldachlauben 3,50
m, gemessen vom Erdboden. Die Dachneigung soll beim Pultdach 5° bis 10° und beim
Satteldach 25°bis 30°betragen.

6.4 Der Grenzabstand zu den Nachbargrenzen muss mindestens 2,50 m, zu den Außengrenzen
mindestens 3,00 m betragen. In begründeten Fällen (mit Einverständniserklä-rung
des Nachbarn) sind Ausnahmen möglich.

Nicht zulässig sind:

-Zusätzliche Baulichkeiten
-Bauten und Anbauten aller Art, z.B. Toilettenhäuschen, Geräteschuppen, Kleintierställe,
freistehende Pavillons etc.
-Sickergruben, Schornsteine und Rauchrohre, Wegebau mit geschüttetem Beton,
Asphaltierungen.
-Die Errichtung und Wiederinbetriebnahme von Swimmingpools, gemauerten oder betonierten
Becken in Kleingärten. Soweit solche noch durch frühere Genehmigungen vorhanden
sind, ist deren Beseitigung schrittweise anzustreben, spätestens jedoch bei Pächterwechsel.

6.6 Ohne Genehmigung dürfen errichtet werden:

-Transportable Kinder-Badebecken bis maximal 280 cm Innendurchmesser. Die Badebecken
dürfen nicht eingegraben werden. Die Verwendung umweltschädlicher Zusätze ist
nicht gestattet.
-Kleingewächshäuser bis zu einer Grundfläche von 6,00 m² und mindestens 1,00 m
Grenzabstand,
-Zierbecken und Feuchtbiotope in naturnaher Bauweise bis zu einer Größe von 6,00 m².
-Regenabweiser über Laubentüren bis zu einer Größe von 0,80 m x 1,50 m.
-Freistehende Rankgerüste und Pergolen. Sie dürfen nicht durch Mauerwerk, Flechtwände
oder Verbretterungen geschlossen werden.
-Maximal 4 m Sichtschutz, der ab einer Höhe von 1,30 m geöffnet ist, zum Schutz eines
Freisitzes. Es darf dabei 1/3 der Gartenbreite nicht überschritten werden. Eine Verbindung
mit der Laube ist nicht erlaubt.
-Transportable Gartenöfen u. -grills. Sie sind mit geeignetem Material zu befeuern. Verboten
sind behandelte Hölzer, Papier, Abfälle, feuchtes und nicht abgelagertes Holz.

6.7 Eine zustimmungsbedürftige Baumaßnahme muss nach 2 Jahren fertig gestellt sein. Sie
wird abgenommen, wenn sie nach den genehmigten Zeichnungen einschl. Farbanstrich
gebaut wurde. Vorhandene weitere Baukörper sind vor der Abnahme der neuen Laube zu
beseitigen.

6.8 Salvatorische Klausel
Andere Anlagen und Nutzungen (vorstehend nicht genannt), die das Bild der Kleingärten
beeinträchtigen, können durch einstimmigen Beschluss des BHG untersagt werden und sind
unverzüglich nach einer entsprechenden Beschlussfassung zu beseitigen.

7. Wegebenutzung und Sauberhaltung

7.1 Die Wegeflächen in den Kleingartenanlagen sind von den anliegenden Pächtern sauber
zu halten. Der Verein ist für die ordnungsgemäße Unterhaltung aller der Gemeinschaft
dienenden Anlagen und Einrichtungen verantwortlich.

7.2 Das Befahren der Wege mit Kraftfahrzeugen, Mopeds u. Mofas usw. ist nicht erlaubt.
Ausnahmen bedürfen der Zustimmung des Vereinsvorstandes.

7.3 Kraftfahrzeuge, Anhänger und Wohnwagen dürfen nicht in den Gärten oder auf den Wegen
in Kleingartenanlagen abgestellt oder gewaschen werden.

8. Abfallverwertung

8.1 Pflanzenabfälle sind zu kompostieren.

8.2 Holzabfälle sind zu sammeln und zu Schreddern. Das Schreddergut ist nach Möglichkeit
in den Kleingartenanlagen wiederzuverwenden.

8.3 Nicht kompostierbare Abfälle sind ordnungsgemäß zu beseitigen.

8.4 Für Fäkalien dürfen in den Gärten keine Gruben angelegt oder Behälter aufgestellt
werden. Zulässig ist eine Trockentoilette in der Gartenlaube.

9. Allgemeine Ordnung

9.1 Die der gemeinschaftlichen Nutzung dienenden Anlagen und Einrichtungen sind schonend
zu behandeln. Jeder Kleingärtner ist verpflichtet, die durch ihn oder seine Angehörigen
verursachten Schäden zu ersetzen.

9.2 Es ist alles zu vermeiden, was die Ruhe, Ordnung und Sicherheit in der Kleingartenanlage
stört oder beeinträchtigt. Abweichend von den gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen
sind die Kleingärtnervereine befugt, die in der Verordnung zur Aufrechterhaltung
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Stadt Hildesheim geregelten Ruhezeiten
auszuweiten.

9.3 Die Haupttore der Kleingartenanlagen sind während der Bewirtschaftungszeit bis zum
Einbruch der Dunkelheit offenzuhalten

9.4 Die Kleingärtnervereine sind verantwortlich für die ordnungsgemäße Bewirtschaftung und
Benutzung der gesamten Kleingartenanlage. Sie haben insbesondere dafür zu sorgen, dass
die Einzelgärten nach den Regelungen dieser Gartenordnung bewirtschaftet und genutzt
werden. Jeder einzelne Garten ist gut sichtbar zu nummerieren. Bewirtschaftungsmängel
und unzulässige Nutzung müssen unverzüglich abgestellt werden.

9.5 Die Vereinsvorstände und Fachberater sind im Rahmen dieser Gartenordnung weisungsberechtigt,
ihren Anweisungen ist Folge zu leisten.

9.6 Verstöße gegen die Gartenordnung, die nach schriftlicher Aufforderung in einer angemessenen
Frist nicht behoben sind, können zur Kündigung des Pachtverhältnisses führen.

9.7 Jeder Kleingärtner ist verpflichtet, sich ständig über Bekanntmachungen in den Aushang
kästen der Kleingartenanlage zu informieren. Er ist weiterhin verpflichtet, an
Gemeinschaftsarbeiten, die der Unterhaltung und der besseren Ausgestaltung der
Kleingartenanlage dienen, mitzuwirken. Im Fall der Nichtbeteiligung an der
Gemeinschaftsarbeit sind die vom zuständigen Verein festgesetzten Umlagen zu zahlen.

10. Fachaufsicht

Die Bediensteten des Fachbereiches Grün, Straße und Vermessung und/oder deren Beauftragte
sind jederzeit berechtigt, im Benehmen mit dem Verein Anlagebegehungen
durchzuführen, um die ordnungsgemäße Bewirtschaftung und Pflege der Kleingärten zu
überprüfen.

11. Inkrafttreten

Diese Gartenordnung tritt am 01. Juli 2014 in Kraft.
Sie tritt an die Stelle der bisherigen Gartenordnung vom 04. November 2008.

gez. Dr. Ingo Meyer     gez. Handelmann

Oberbürgermeister Bezirksverband Hildesheimer Gartenfreunde


Anlage 01 - unzulässige Baumarten


 

Unzulässige Laubbäume

 

Unzulässige Nadelbäume

 

Akazien

Ahorne

Japanische Zierkirschen

Birken

Buchen

Ebereschen

Eichen

Erlen

Eschen

Essigbaum

Gingko

Hainbuchen

Hasel

Kastanien

Linden

Magnolien

Pappeln

Platanen

Robinien

Tulpenbäume

Walnuss

Weide

 

Blau-, Rot- und Stielfichten

Blau-, Weiß- und Schirmtannen

Douglasie

europäische und asiatische Lärchen

Fuchsschwanz-, Zirbel-, Tränen- und Mädchenkiefer

Gemeine Kiefer

Graufichten

Grün- und Blauzedern

Hemlocktannen

Mammutbäume

öterreichische Schwarzkiefer

Sumpf- und Scheinzypressen

Weimutskiefer


 

Unerwünschte Arten, die Krankheitsüberträger sind

 
 

Pflanze

 

Schaderreger

 

Heckenkirsche

Pfaffenhütchen

Rot- und Weißdorn

Sauerdorn

Schneeball

Wacholder

Zuckerhutfichte

 

Schwarze Kirschfruchtfliege

Schwarze Rüben- und Bohnenlaus, grüne Pfirsichblattlaus

Gespinnstmotte und Schwammspinner

Getreideschwarzrost

Schwarze Rüben- und Bohnenlaus, grüne Pfirsichblattlaus

Gitterrost der Birne

Rote Spinne